Mit Tomasz Trzciński spricht Krzysztof Sitko für pressmania.pl

Der weltberühmte Pianistenvirtuose Tomasz Trzciński, der seit vielen Jahren im Ausland lebt, Musik erschafft, konzertiert und unterrichtet, zeigte vor wenigen Tagen auf der Bühne der Musikschule in Ingelheim am Rhein sein Können in einer kurzen, aber unglaublichen Improvisation am Klavier. Der Künstler, der im Dezember 2018 für seine künstlerischen Leistungen durch das Polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe die Bronzemedaille „Verdiente Kultur – Gloria Artis” erhielt, führte dort eine fast 15-minütige Improvisation zu polnischen traditionellen und volkstümlichen Melodien auf, wie er sie zwei Jahre zuvor in Wadowice und Warschau als Improvisationen aufgenommen und dann auf seinen Alben „Polskie melodie/ Polnische Melodien“ und “Polskie melodie, Vol. 2“ veroffentlicht hat. Tomasz Trzciński nahm diese Performance in Ingelheim ebenfalls auf und machte sie auf seinem YouTube-Kanal bekannt. Der Maestro gab uns ein kurzes Interview zu diesem Konzert und der Aufnahme. 

Meine Musik ist eine Erschaffung von Lebensenergie. Vor allem in einem Fall wie bei mir, wenn ich die Aufmerksamkeit des Zuhörers darauf lenke, dass er den Kontakt zu meiner Musik und dem, was ich tue, für keinen einzigen Moment verliert. Und es funktioniert.

Krzysztof Sitko, Pressmania.pl: Was hat Sie dazu gebracht dort eine solche Musik zu spielen?

Tomasz Trzciński: Das Hauptmotto des Konzertes, bei dem sich Lehrkräfte unserer Institution präsentierten, lautete „Inspirationen aus Klassik, Pop und Jazz”. Also dachte ich, es lohnt sich auch, ein paar Anregungen aus der polnischen Musik aufzunehmen. Das, was mir sehr wichtig und meiner Seele so nahe ist – polnische traditionelle und Volksmusik. Und darauf eine Konzertimprovisation aufzubauen.

KS: Für das Publikum, das sich im Konzertsaal in Ingelheim versammelt hat, war Ihr Auftritt eine große Überraschung. Das Publikum hörte Ihre Musik schon nach kurzer Zeit in absoluter Stille, sie schien fast überwältigt zu sein.

TT: Ja, es ist wahr, die Atmosphäre des Konzertes war sehr gut, und meine Auftritte sind für die Zuhörer meist besonders überraschend, eben durch meine Improvisation.

KS: Also, wie funktioniert es eigentlich? Kommt Ihre Musik spontan zustande?

TT: Sie ist für mich als Musiker ein Phänomen – zu einem großen Teil entsteht sie spontan, denn Musik entsteht absolut live, und für den Hörer ist es ein unerwartetes und überraschendes Ereignis. Man kann nie ganz darauf vorbereitet sein. Es ist eine Erschaffung von Lebensenergie. Vor allem in einem Fall wie bei mir, wenn ich die Aufmerksamkeit des Zuhörers darauf lenke, dass er den Kontakt zu meiner Musik und dem, was ich tue, für keinen einzigen Moment verliert. Und es funktioniert.

KS: Die Reaktion, wie man hört, ist eindeutig – riesiger Applaus und Jubel. Waren Sie darauf vorbereitet?

TT: Ja und nein…. Ja, denn so reagieren die Zuhörer bei meinen Konzerten oft, aber manchmal brauchen sie einen Moment, um aus der Trance aufzuwachen, in die ich sie führe, und manchmal sofort, gleich nach den letzten Klängen, gibt es einen Beifall und sogar Schreie. Es hängt auch davon ab, wie ich die Musik beende. Diesmal war es in dem Saal gleich sehr laut! 

Tomasz Trzcińśki – plays concert in Belweder Palace, in Warsaw, residence by the Polish presidents. Poland, 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KS: Sie spielen so leidenschaftlich gerne polnische Musik, woher kommt dieses Bedürfnis und diese Faszination?

TT: Weil ich Pole bin. Und ich denke, dass unsere polnischen Melodien perfekt für Konzertauftritte sind, das ist ein großer und schöner Reichtum an polnischer Kultur, der von Generationen geschaffen und über alle Teilungen hinweg gepflegt wurde, der heute noch gepflegt und praktiziert wird. Besonders in meinen heimatlichen Bergen, wo ich meine Jugend verbracht und in den Sommerferien Hochlandmusik live gehört habe. Und jetzt kommt es zurück, in meinen Improvisationen, Kompositionen, im Denken und Fühlen am Instrument und auf der Bühne.

KS: Haben Sie auch polnische Wurzeln jenseits der Volksmusik, schließlich sind Sie ja eigentlich ein klassischer Musiker?

TT: Natürlich, das wäre ohne sie auch nicht möglich! Und, wenn ich es sagen darf, es sind  die berühmten alten Meister – Frederic Chopin, Stanisław Moniuszko, Ignacy Jan Paderewski, Karol Szymanowski, Mieczysław Karłowicz. Aber auch die Zeitgenossen: Witold Lutosławski, Andrzej Panufnik Wojciech Kilar, Mikołaj Górecki. Oder sogar der berühmte Außenseiter – der brillante Roman Maciejewski, dessen schöne zeitgenössische Mazurkas und Requiem ich so sehr schätze, spiele und höre. Das ist ein Ozean an polnischer Musik und ein Ozean an Inspiration. Ich kann noch zwei Komponisten der jüngeren Generation hinzufügen, auch sehr bekannt, denn ich spiele oft Musik von Konstancja Kochaniec aus Wrocław, die mir ihre drei schönen Nocturnes gewidmet hat, und von Paweł Łukowiec, einem Komponisten aus Kilece, dessen verrücktes, avantgardistisches „Furioso“ für Klavier mir oft große Erfolge bei Konzerten beschert hat.

Im kommenden Jahr wird der 210. Geburtstag von Chopin gefeiert, dafür bereite ich gerade ein Projekt „Chopin Explorations“ vor. Musik von Chopin, durch mich in einen neuen Kontext gesetzt.

KS: Und die Pianisten selbst? Wer inspiriert Sie unter den polnischen Künstlern?

TT: Es gibt hier auch viele hervorragende Musiker. Zuerst meine Lieblingslehrerin – die berühmte Pianistin Lidia Grychtołówna, deren musikalische Leistungen bald in das Guinness-Buch aufgenommen werden sollen, aber auch Krystian Zimerman, Rafał Blechacz, und natürlich mein großes Idol – Jazzpianist Adam Makowicz, oder mein Kollege aus Gdańsk, Jazzmann Leszek Możdżer, dessen Fleiß, musikalisches Flair und Sturheit ich immer sehr bewundert habe. Auch andere polnische Jazzmusiker schätze ich sehr: Zbigniew Namysłowski, Tomasz Stańko, Zbigniew Jaremko, der heute weniger in Erinnerung ist, und natürlich unseren brillanten Filmmusikkomponisten Krzysztof Komenda-Trzciński, dessen Werke ich seit langem in meinem Repertoire habe.

 

KS: Lohnt es sich, polnische Musik zu fördern und zu spielen?

TT: Ich denke schon, und ich mache sie gerne selbst, weil ich sie fühle, und ich denke, es ist eines der größten kulturellen Erbe der Musik in Europa und der Welt. Dank ihrer Komponisten wurde die polnische Musik berühmt und geschätzt, aber dank Generationen von Polen und ihrem Willen zu überleben konnte sie ihr charakteristisches Gesicht bewahren: Charakter, einfache Schönheit, Temperament. Und ist für Bühnen und Konzertsäle geeignet. Ich versuche dies in meinen Solo-Improvisationen zu zeigen, und es bereitet mir die größte Freude und den größten Spaß am Musizieren.

Unsere Kunst sollte unbedingt in der Welt gefördert werden, denn dann hat sie die Chance, die nächsten Jahrhunderte zu überleben.

KS: Wie im Video zu sehen und hören ist…

Und wie viel oder wenig und was brauchst du für ein solches Knzert?

TT: Für mich ist jedes Konzert viel Arbeit und Vorbereitung, aber eigentlich braucht man einen Willen, eine Bühne mit einem guten Instrument, am besten einen Konzertflügel, in einem guten Saal und natürlich Werbung. Und hier war ein voller Saal und eine große Freude am Spielen für die Zuhörer.

KS: Vielen Dank für das Gespräch, ich wünsche dir viel Erfolg und alles Gute!

TT: Vielen Dank, und ich grüße alle Zuhörer und Leser in Polen und auf der ganzen Welt!

 

Hier können Sie das Video „Polische Melodien” vom dem Konzert mit Tomasz Trzciński sehen, das am 12. Mai 2019 im Konzertsaal des Weiterbildungszentrums Ingelheim in Rheinland-Pfalz stattfand:

Sie können die Alben der „Polnischen Melodien“ von Tomasz Trzciński kostenlos  über Streaming hören oder eine CD bestellen bei:

Polskie Melodie, Vol. 1: http://polskiemelodie.com 

Polskie melodie, Vol. 2 https://polskiemelodie.com/polskie-melodie-vol.-2.html

Und über Amazon:

https://www.amazon.de/Polskie-melodie-Melodies-Polnische-Melodien/dp/B0778ZYWZZ/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&keywords=Polskie+melodie&qid=1558097765&s=gateway&sr=8-2

 

Tomasz Trzciński, Maintower Frankfurt am Main, Juni 2019

Tomasz Trzciński

verbindet als Pianist und Komponist fließend und virtuos die musikalischen Wurzeln seiner polnischen Heimat mit Klassik, Jazz, Latin und der modernen Klangwelt. Dabei hat Tomasz Trzcinski sich besonders der klassisch-jazzigen Improvisation und der Neuen Musik verschrieben. So hat in seiner regen Konzerttätigkeit die Verbindung des „Köln Concert” von Keith Jarrett mit klassischen Werken und eigenen Improvisationen das Publikum durch das außergewöhnliche Konzept und das hohe Niveau begeistert: „Eins mit Piano“, „Charmanter Virtuose“, „Brillianter Techniker und Klavierkünstler“, „Meister der Improvisation”, „Polnischer Starpianist” sind eine Auswahl aus den begeisterten Kritiken.

Tomasz Trzcinski ist auf vielfältige Art im Bereich der Musik tätig. Er lernte Klavier in seiner Heimatstadt Szczecin; studierte Komposition und Musiktheorie an der Musikakademie in Danzig und Chor-Orchester Leitung, und Klavier an der Johannes-Gutenberg Universitat in Mainz, wo er  auch mehrere Jahre Mitwirkender der EuropaChorAkademie war. Wesentliche Impulse für seine künstlerische Arbeit erhielt er bei der weltbekannten polnischen Pianistin, Prof. Lidia Grychtolówna, bei dem renommierten Dirigenten Prof. Joshard Daus, bei Prof. Manfred Reichert (langjaehrigen Leiter der „Ensemble 13″) in der Musik der Gegenwart und durch bekannten Jazz-Musiker: Vitold Rek und Janusz Stefanski. Projekte mit den Dirigenten Michael Gielen, Gerd Albrecht, Sylvain Cambreling, Pierre Boulez und Sir Simon Rattle prägten seine dirigentische Tätigkeit. Seine Improvisationskunst ist vom renommierten New Yorker Sender WNYC durch John Schaefer mehrfach als wegweisend im zeitgenössischen Klavierspiel ausgezeichnet worden. Die bemerkenswerte Resonanz, die er beim Publikum hervorruft, zeigt sich auch in den mittlerweile milionenfachen Aufrufen seiner Produktionen in Social Media und Streaming Portalen (Youtube, Facebook, Spotify, iTunes). Im November 2017 erschien seine neueste CD Polskie Melodie / Polnische Melodien – eigene Improvisationen nach traditionellen polnischen Melodien.

Tomasz Trzcinski ist Preisträger des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationalerbe, von dem er im Jahre 2018 die Medaille „Gloria Artis” für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kunst und Musik erhielt.

Aus dem Polnischen von Silke Trzciński

Weitere Informationen https://tomasz-trzcinski.info